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Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr – die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wahlrod

Übernommen aus der 1999 erschienen Dorfchronik.

Von Klaus Seiler

( ergänzt bis heute durch Erhard Röhrig )

 

Zwischen den beiden Weltkriegen wurde im Jahr 1931 in Wahlrod die erste Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Mit welchen Gerätschaften die Wehrleute damals gegen das Feuer vorgingen, ist nicht mehr feststellbar.

Festgehalten wurden allerdings die Aufnahme in den Nassauischen Feuerwehrverband zu Wiesbaden am 25. Oktober 1932 unter dem Kommandanten Karl Bauer.

 

In den dreißiger Jahren  (Im Vordergrund Karl Bauer)

 

 

 

Von nun an ging es in Wahlrod stark voran: Am 16. Dezember meldete man dem Verband eine Truppenstärke von 21 freiwilligen Mitgliedern. Am 24. und 25. April 1933 belegte Karl Bauer den ersten Feuerwehrlehrgang zum Brandmeister in einer Jugendherberge in Wetzlar.

Die Truppe wuchs schnell heran, so daß man 1934 schon 27 freiwillige Wehrmänner zählte. Doch dies sollte schnell vorbei sein. Ursache hierfür war der Ministererlaß vom 15. August 1934, dessen Auszug lautete:

„ Im Interesse der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr ist es unerwünscht, daß Feuerwehrmänner oder Feuerwehrführer gleichzeitig Mitglieder der „SA“ oder „SS“ sind, da durch die doppelte Inanspruchnahme die Dienstfreudigkeit der Feuerwehrmänner erheblich leidet. Ich ordne hiermit an, daß in Zukunft keine Mitglieder der SA oder SS in der freiwilligen Feuerwehr sein dürfen, sonst haben sie unverzüglich ihren Austritt aus der SA oder SS zu erklären“.

Dies hatte zur Folge, daß die Truppenstärke der freiwilligen Wehrleute 1936 auf 7 Männer zusammenschmolz und man neben der freiwilligen Feuerwehr eine Pflichtwehr mit einer Truppenstärke von 67 Mann in der Truppe 1 und 28 in der Truppe 2 zusammenstellte.

 

Wahlroder Wehr auf  einem Feuerwehrfest in Hattert

 

Abriß des Feuerwehrhauses in der Kurve beim Pfarrhaus

Aber es kam noch schlimmer: 1937 riß man das Feuerwehrhaus im Interesse der Verkehrssicherheit in der Reichsstraße ab, um der gefahrvollen Straßenkurve eine bessere Einsicht zu gewähren, so daß es keinen zentralen Stellplatz für die Feuerlöschgeräte mehr gab.

1938 wurde dann von der Gemeinde ein Grundstück von Eugen Weinbrenner aus Giesenhausen für den Preis von 50 Reichsmark je Rute erworben, um ein neues Feuerwehrhaus zu bauen. Doch der Krieg rückte näher, und die Kassen wurden immer leerer, so daß man sich von einem Jahr mit dem Bau auf das nächste vertröstete.

Doch einer gab niemals auf und blieb seiner freiwilligen Feuerwehr treu: Karl Bauer.

Er besuchte vom 3.12. bis 10.12.1938 in der Provinzialfeuerwehrschule in Kassel einen Ausbildungslehrgang zum Feuerwehrführer, bei dem das Ausbildungsziel nicht nur feuerwehrtechnische Kenntnisse, sondern auch Kassen- und Geschäftsführung, Polizeiverordnungen, Bauordnungen und Brandursachenermittlung war.

Dann kam der Krieg und es wurde erst mal still um die Feuerwehr, bis in den

Jahren 1942 – 1944 ein Regen von Erlassen und Bescheiden auf die Gemeinden niederging.

Darin waren alle feuerwehrtechnischen Verfahrensanweisungen niedergeschrieben.

 

Vorkehrungen gegen Brandbomben während des Krieges

Im Erlaß vom März 1942 hieß es für die Gebäudebestückung: Auf jedem Dachboden muß ein feuerverzinkter Behälter mit Wasser, ein Eimer mit Sand, die Einstellspritze (die Einstellspritze war eine selbstansaugende Druckpumpe, die in den feuerverzinkten Behälter eingetaucht und als Löschpumpe verwendet wurde ), sowie eine Feuerklatsche zur Brandbekämpfung vorhanden sein.

Es ging sogar so weit, daß am 31.8.1942 in einem Brandschutzerla�� die Pflichtfeuerwehr von den freiwilligen Wehrleuten getrennt werden sollte.

Am 31. März 1943 wurde bei der Firma Konrad Hasenbauer in Linz eine Tragkraftspritzenkarre zum Preis von 480,- Reichsmark bestellt, doch durch die schlechte wirtschaftliche Lage wurde der Auftrag von einem Pumpenbauer zum nächsten weitergereicht, so daß sich der Schriftverkehr über Hersteller, Transport und Rechnungsbegleichung über Jahre hinzog. Endlich hatte man eine Firma gefunden, die trotz der schlechten Zeit die Tragkraftspritzenkarre baute und zusammenstellte. Jedoch gab es mit der Auslieferung noch große Probleme, da man für den Probelauf der

Firma Balte-Frankenthal 5 Liter Vergaserkraftstoff zur Verfügung stellen mußte. Nach einer Bearbeitungszeit von 7 Wochen wurde eine Marke über 5 Liter Kraftstoff übersandt. Dem Probelauf stand nichts mehr im Wege. Die Auslieferung erfolgte eine Woche später, und der Tragkraftspritzenwagen wurde am 3.11.1944 um 12.30 Uhr am Bahnhof Ingelbach angeliefert.

 

Die Wahlroder Feuerwehr in der Nachkriegszeit

Der Krieg war vorbei und das Leben in Deutschland und im Dorf begann sich zu normalisieren. Die Pflichtfeuerwehr zerlief sich, und ein neuer Abschnitt in der freiwilligen Feuerwehr Wahlrod stand bevor.

Am 1.2.1946 trafen sich 8 Männer (Artur Thiel , Willi Seiler, Alfred Röhrig I., Artur Rörig, Helmut Fischer, Gustav und Günter Hoffmann) unter der Leitung von Ewald Strobel als Wehrführer, um die Wehr neu zu formatieren. Man begann die technischen Hilfsmittel, die zur Zeit in einer Scheune bei Karl Bauer untergebracht waren, wieder in Gang zu setzen.

In mehreren Wochen Kleinstarbeit wurde die DKW-Pumpe, deren Kolben festgerostet waren, wieder funktionstüchtig gemacht. Immer mehr Männer kamen aus der Gefangenschaft zurück.

Im März 1946 konnten auf Veranlassung der französischen Militärregierung 18 Feuerwehr-Leute auf 5 Jahre  verpflichtet werden, wovon noch 8 Kameraden der Feuerwehr bis heute treu blieben. 1949 war es dann endlich so weit: In Wahlrod wurde auf dem 1938 erworbenen Grundstück durch die Gemeindearbeiter ein neues Feuerwehrgerätehaus erbaut.

Dieses Gebäude diente zum Einstellen der Feuerwehrgeräte, des Leichenwagens, und ein Seitentrakt für die Aufnahme von Obdachlosen. In dem Jahr 1950 wurde der Dachstock ausgebaut. In dem wohnte Familie Puppik bis 1974.

1960 wurde eine TS 8/8-Pumpe beschafft, die heute noch im Einsatz ist. 1964 bekam die Feuerwehr ihr erstes Fahrzeug, einen gebrauchten VW-Bus, der für Feuerwehrzwecke umgebaut wurde.

In den 60er und 70er Jahren erlebte dann die Feuerwehr die Blütezeit des Vereinslebens.

Man feierte 1968 das erste große Feuerwehrfest und ernannte Karl Bauer zum Ehrenwehrführer.

Die Jahre vergingen, der alte VW-Bus wurde 1971 gegen einen neuen Ford Transit ersetzt. Aber nicht nur das Material wurde älter. Sondern auch die Kameraden. Eine neue Generation von Wehrleuten wuchs heran. Nach 27jähriger Tätigkeit als Wehrführer gab Ewald Strobel sein Amt an Paul Gerhard Christ ab, der ein Jahr später als Ehrenbeamter durch die Verbandsgemeinde Hachenburg berufen wurde.

In den Jahren 1974 und 1975 baute man die alte Flüchtlingswohnung der Familie Puppik zum Schulungsraum für die Feuerwehr in Eigenleistung aus. Nun verfügte man über eine Fahrzeughalle, Werkstatt und einen kleinen gemütlichen Schulungsraum.

Man schmiedete Pläne und fing an zu tüfteln. So entstand nach dem Motto aus zwei mach eins der heute noch im Einsatz befindliche DKW-Munger als Schlauchwagen.

 

Das alte Feuerwehrhaus, Fahrzeuge. 1981, Tag der offenen Tür

 

Aber nicht nur der Fahrzeugpark und die Räumlichkeiten wuchsen, sondern auch das Anforderungsprofil an die Wehrleute und das Aufgabengebiet. So wurde 1975 die brandtechnische Betreuung der Gemeinde Winkelbach von der Feuerwehr in Wahlrod übernommen.

Es wurden Großübungen organisiert, die 1979 das erste Mal über die Kreisgrenze hinausgingen.

Immer mehr Jugendliche zeigten Interesse für die Feuerwehr und ihre Aufgaben.

Deshalb gründete man im August 1988 die Jugendfeuerwehr Wahlrod. 1990 wurde das erste Pfingstzeltlager für Jugendliche mit 37 Teilnehmern durchgeführt. Es ist noch heute ein Anlaufpunkt der Jugend an Pfingsten. Im Januar 1994 wurde das alte Feuerwehrhaus mit einem lachenden aber auch weinendem Auge abgerissen. Es entsprach nicht mehr den feuerwehrtechnischen Voraussetzungen. Ein neues Mehrzweckgebäude mit Feuerwehrtrakt entstand. Viele Erinnerungen wurden in den Kameraden wach, das ein Bagger das liebevoll ausgebaute und renovierte Feuerwehrhäuschen zusammenschob. Doch dann war im November 1995 alles vergessen. Das neue lang ersehnte Mehrzweckgebäude war fertig und wurde der Gemeinde bzw. der Feuerwehr übergeben. Die freiwillige Feuerwehr Wahlrod ist eine schlagfertige Truppe mit 21 aktiven Feuerwehrleuten, 17 Jugendfeuerwehrleuten und 12 Ehrenfeuerwehrmännern.

 

Soweit Klaus Seiler mit seinen Ausführungen in der Wahlroder Chronik aus dem Jahr 1999.

 

Aussagen zur Mannschaftsstärke, Mitgliederangaben, Jugendfeuerwehr usw. sind natürlich nur bis zu den Tagen des Niederschreibens in den Jahren 1998 u. 1999 aktuell und gültig.

Die weitere Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Wahlrod habe ich ( Erhard Röhrig ) nach den Angaben aus dem Vorstand der Feuerwehr übernommen und  bis heute fortgeschrieben.

 

25 Jahre diente Paul Gerhard Christ der freiwilligen Feuerwehr in Wahlrod als Wehrführer.

Am 1.7.1998 hieß es dann Amtsübergabe: Dietmar Leins heißt seit dem der neue Wehrführer.

Ihm zur Seite als stellvertretender Wehrführer trat bis zum Jahre 2002 Klaus Seiler.

Seit 1.3.2002 übernimmt Henning Buchner das Amt zum stellvertretenden Wehrführer.

Zwischenzeitlich wurde aus den Reihen der Feuerwehrkameraden auch ein sogenannter Förderverein gegründet, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das Feuerwehrwesen in Wahlrod zu unterstützen und zu optimieren.

22 aktive Feuerwehrmänner und 1 Feuerwehrfrau gewährleisten heute in unserem Dorf einen reibungslosen Feuerwehrbetrieb.

Gern gesehen in unseren Reihen: natürlich unsere 8 Ehrenmitglieder!

 

 

Gott zur Ehr,

dem Nächsten zur Wehr !

(Wahlrod im Sommer 2005)


 

Zum Abschluß ein Gedicht, welches ich in

  www.feuerwehr-Cliparts.de gefunden habe:

 

Ein Feuerwehrgedicht von Karl Borromäus Reisinger aus seinem Gedichtband "Altensteiger Zaubersprüche"

 

Zum Feuerwehrfest !

 

Gar schmerzlich sucht ein braves Mädchen

oft nach dem Lebenskamerädchen, 

das ihm, vom Himmel vorbestimmt,

sein Herz in treue Hände nimmt.

 

Doch wehe! Manche hat's erfahren:

Die Liebe birgt auch viel Gefahren!

Man treibt mit ihr oft Spott und Hohn.

Wo findet man den Rechten schon?

 

Zu diesem Zweck empfiehlt sich sehr

der Nachwuchs bei der Feuerwehr.

Wohl ihr, die einen Wehrmann kennt,

sie weiß wohin, wenn's bei ihr brennt!

 

Schon ist er da, der brave Mann,

und weiß auch, wie er helfen kann,

nicht nur im Unglück, nein auch weiter,

als stets besorgter Blitzableiter.

 

Seht ihn euch an, den prächt`gen Kerle,

innen und außen eine Perle!

Am ganzen Leibe wohlbestückt,

das Antlitz kühn und bartgeschmückt.

 

Ob Feuer oder Unglücksfälle,

schon ist er kampfbereit zur Stelle!

Ein wahrer Held der Ehrenpflicht,

mehr als ein "Danke" will er nicht.

 

Drum, schöne Mädchen, lasst euch sagen,

wollt ihr's mit Männern wirklich wagen,

ruft flehend zu St. Florian:

Oh! Schick mir einen Feuerwehrmann! 

 

mit freundlicher Genehmigung des Autors

 

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